Liebe zu verschenken

tim-ra

Frühjahr 2018. In einem der furchtbaren Alpträume, die mich damals plagten, sitze ich an einem großen, ausladenden Schreibtisch einem Psychologen gegenüber. Noch nie, erklärt er mir, habe er eine so tiefe Verzweiflung gesehen wie in meinen Träumen. Daraufhin steht er auf, geht um den Schreibtisch und schließt einen Apparat an meinen Kopf an, um meine Träume durchzumessen. Nein, nein, nein, schreie ich. Ich erwache schweißgebadet.

Den äußeren Umständen nach ging es mir gut: Eine liebevolle Partnerschaft, eine große, helle Wohnung, Reisen in alle Welt und ein gutes Einkommen als Selbständiger. Doch innerlich war ich leer, unbefriedigt in der Ausweglosigkeit von Agenturintrigen, festgefahren in Beziehungserwartungen, verzweifelt ob des sich anbahnenden globalen Kollaps. Kein Zweifel: Ich hatte neben zahllosen körperlichen Symptomen eine schwere Depression.

Im Mai 2018 habe ich alles hingeworfen, meine monatliche Jobzeit auf einen Tag reduziert, das Rauchen und Trinken aufgegeben und meine Suche nach persönlichem und gesellschaftlichem Wachstum begonnen, ein täglicher Kampf gegen Müdigkeit, Erschöpfung und Verzweiflung. Viele Arztbesuche, Hypnosesitzungen, psychedelische Erfahrungen und, nicht zuletzt, wahnwitzige Zufälle später kann ich heute langsam wieder mein Glück begreifen. Ich habe alles aufs Spiel gesetzt – und werde beschenkt mit der Erneuerung meiner Liebe und dem Glück des Künstlerberufs. Im Juni werde ich Vater.

Zufälle führten zu Begegnungen, Begegnungen zu neuen Projekten – Liebende, das anarchistische Elektronik-Improvisationstrio mit Funk DJ Egyptian Mama (Cool Whip) und Punkrocker Joe Mexicano: Jede unserer Sessions ist ein Stück Heilung, Wachstum und Euphorie. Dann zu Lontano mit Bandoneonist Rainer Volkenborn, mit dem ich unstillbare Sehnsucht und einen tiefen Schmerz teile. Und schließlich zu meiner neuen Platte “Muscheln”.

Zwölf funkelnde Popsongs wie Muscheln am Strand, ein Album von Liebesbegegnungen, das zugleich die Geschichte einer spirituellen Verwandlung erzählt. Es ist eine Verneigung vor der Menschheit.

Höchste Zeit, eine bessere Welt zu erschaffen. Im Labor Liebe geht es um den Aufbau von menschenfreundlichen und nachhaltigen Arbeits- und Lebenswelten. Damit die Menschheit ein Zukunft hat.

Berlin, den 26.05.2020, :tim Ra

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