plakat_a1_mass-1-v2-fb

:tim Ra | Muscheln

„Muscheln“ erzählt von der Liebe und der Hoffnung, dass die Menschheit auch in ihrer tiefen Krise nicht verloren ist. Leicht, einfach und tief unter die Haut gehend ist :tims siebtes Studioalbum Ergebnis eines Erkenntniswegs, der über die Erfahrung des Verlusts zu einer Wahrheit führt: Es gibt keine Liebe ohne Abschied und keine Tränen ohne Salz.

In zwölf neuen Songs geht es um Verführung, Lust, Feier und Verliebtheit – und um die Erfahrung von Schmerz, Verlust und Loslassen, getaucht in Bilder von Meer, Wasser, Feuchtgebieten. Die Musik wogt lasziv, liebevoll arrangiert, mit entspannten Funk-Grooves. Es ist :tims zärtlichste Platte, ein Skizzenbuch der Liebe, das biographische Erfahrungen zu einem minimalistischen Destillat aus Pop, Hiphop und Clubmusik konzentriert.

Erste Aufnahmen und Ideen entstanden 1999. Damals legte er – noch unter seinem Pseudonym Robert Defcon – nach frühen Erfolgen seiner Bands „Wohnung“ und „No Underground“ mit stundenlangen improvisierten Electro-Sessions mit Chilly Gonzales und Raz Ohara im Berliner Club Maria den Grundstein für seine weitere musikalische Entwicklung. Und so entstanden auch viele Tracks von „Muscheln“ aus langen, improvisierten Strecken, am Rechner bildhauerisch auf die kurzen Songformen des Albums geschnitten.

:tims langjährige Arbeit als politischer Künstler buchstabiert „Muscheln“ als großes Ja zum Leben. Während sein dunkles Elektronik-Opus „We Are Anonymous“ den Krieg gegen den Terror aufarbeitete und so den Protestsong neu belebte, wie Max Dax 2015 in der Frankfurter Rundschau auf zwei Seiten analysierte, bahnt sich Muscheln einen Weg aus der Dunkelheit – auch der eigenen Depression.

Aus diesem positiven Impuls entstand sein neues Musik- und Video-Label „Labor Liebe“, so entstanden seine neuen Bands „Liebende“ und „Lontano“, deren gefühlvolle Improvisationen die Sehnsucht nach Glück und Tanz erfüllen. Und so entstand ein Album, das sich der machbaren, konkreten Utopie verschreibt, die vom Dancefloor – wie das von Studio 54-Glam inspirierte „Loveparty International“ – über die elegant erotisierende Rap-Wortkunst des titelgebenden „Muscheln“ bis in die ozeanische Unendlichkeit reichen.

Träumerische Tracks wie „Am Ufer“,  „Im Elysium“ oder „Und der Ozean“, die wie zärtliche Berührungen von der Verliebtheit erzählen, erschaffen eine Idee von Weite, die sich nicht im kleinen individuellen Glück erschöpft. Denn unsere Heimat ist nicht unsere private Beziehung, eine bestimmte Gruppe oder Nation, sondern sie „war einmal das Meer“, der Sehnsuchtsort, an dem sich die Illusion der Identität auflöst.

albumcover-tim

So spitzt sich :tims Botschaft der Liebe schließlich zu dem Track „Menschheit“ zu. Eingerahmt von der berühmten anti-rassistischen Rede „I have a dream“ von Dr. Martin Luther King Jr. erzählt „Menschheit“ von einer Gesellschaft, die – von äußeren Zwängen befreit – an ihrem Schmerz wächst und weich wird statt Verletzungen in Hass und Verhärtung zu verwandeln –  und stößt damit unterdes bei 200.000 Zuschauern auf Youtube auf unmittelbaren Resonanzboden.

An diesem Ort der Verletzbarkeit tut sich die von Olivia und :tim mit der sternstaubschimmernden Computerstimme von „Das Salz“ besungene, sehnsüchtige Nacht auf, die Hoffnung birgt und Kraft gibt. Der Traum ist aus, aber es gibt keinen Grund, ihn nicht weiterhin im Blick zu behalten.

Kontakt mit Labor Liebe

Nicht lesbar? Text ändern. captcha txt